
Kleine Traumata brennen sich ein, ist das so?
Ich erinnere mich gut – sogar noch körperlich – an das Corona Jahr 21,
Irgendwann am Jahresanfang – zur grosseen Freude aller fiel Schnee.
Was für eine schöne Abwechslung, was für eine Freude.
Es hat sich eingebrannt. Glücklich juchzende Kinder direkt vor unserem Fenster am weissen Hügel.
Für mich war es schlimm. Mit kleinem Baby umgeschnallt, ein Kind im Rolli, dessen Rolli schlicht nicht fährt im Schnee und einem weiteren Kleinkid, das freudig auch mit in den Schnee will.
Es waren Momente, die etwas in mir gebrochen haben. Es ist einfach zersplittert. Das vor Augen geführt bekommen, was nicht geht. Das wenn ich nicht kompensiere, mich noch mehr anstrenge, über meine Kräfte hinaus gehe, kann ich meinen Kindern dies nicht ermöglichen. Wie akzeptiert man sowas, wie geht man damit um.
Wie heilt man so etwas.
Gerade ist es druassen wieder so. Da meldet sich etwas von »früher«, was ich natürlich auch irgendwie wegschieben musste, weil es einen sonst kaputt macht. Irgendwann geht es weiter, vorbei, aber trotzdem ist da noch etwas in einem eingepackt, was drinne bleibt.
Ich liebe es, wenn der Schnee auf den Strassen bleibt und wir einfach mit den Schlitten um die Häuser ziehen können.
Oder heute früh, die Sonne kam durch und wir waren im Wald mit den Schlitten. Auch da ist ein Gedanke wieder aufgeblitzt, es ist uns so auch gar nichts anzusehen. Das offensichtliche für kurz ausgeblendet.
Vorgestern habe ich Lucie auf dem Schlitten immer wider den kleinen Hügel vor unserem Haus hochgezogen, ich konnte »ausblenden«, dass Lucies Freundin, immer wieder ein Wettrennen mit ihr machen wollte – ich hatte die Kraft dazu. Gestern hatte ich sie nicht. Wenn ich nicht kann, geht es nicht.
Einmal hat ein Vater aus der Nachbarschaft Lucie hochgezogen. Jemand anderes hat gesagt, dass er sich noch etwas überziehen muss, weil es so kalt ist, ich hab gesagt, du kannst gerne Lucie auch mal den Berg hochziehen. Lachen. Zum Lachen war mir eigentlich nicht. Ich kann nicht erwarten, dass die Menschen um uns herum immer das mitfühlen können, das sehen, wie sich manche Situationen für uns – oder für mich gerade anfühlen. Wie ich etwas halten muss, was desöfteren eigentlich Übermenschlich ist. Ich fühle mich einsam damit, oft nicht gesehen. Natürlich gibt es auch die anderen, die sowetwas von sich aus sehen und ins handeln kommen. Das soll jetzt nicht vorwurfsvoll sein, ich frage mich auch des öfteren, was mir vielleicht so entgeht, weil ich in meinem gefangen, festhalten bin.
Auf irgendwie durchhalten, weitermachen, ablenken und diszanzieren, folgt nun die Auseinandersetzung, das Kraftvolle hineingehen und aufspüren. Heute zumindest, morgens vielleicht schon wieder nicht. Aber ich spüre so deutlich, dass sich Symptomatiken gebildet haben, die nicht gut sind. Das ich da ran muss und es auch möchte. Das hat jetzt Priorität.
Ebend sind die Flocken wild gewirbelt, regelrecht gestürmt. Ein kleines, freundliches dickes Rotkehlchen sitzt direkt quasi nebenn mir im Vogelhäuschen. Es scheint bestätigend mir zuzunicken. Das liebe ich sehr. Das berührt mich. Heute morgen waren wir kurz im Wald, alle zusammen, ohne Trara und ohne gestreite vorher, mit den Schlitten, fast alleine im Wald, es hat uns ein spazieren ermöglicht, wie es sonst nicht ist. Ich habe regelrecht gespürt wie sehr mir dadurch das Herz geflutet wurde, wie tief, tief, tief es mich berührt hat.
Kleine und grosse Traumata brennen sich ein – so ist das – nicht unbedingt als Bilder, sondern als Empfindungen, als Spannungen, als sofortige Reaktionen im Köper. Situationen, in den Liebe, Verantwortung, Ohnmacht und Vergleich mit »dem« was für andere »leicht« ist, graben sich tief ein. Es war nicht »nur« anstrengend, es war eine Grenzerfahrung. Splitternd, leise, innen.
Damals hatte mein System keine Wahl, ich habe weiter funktioniert, kompensiert, weitergemacht. Jetzt ist vielleicht ein wenig mehr Raum da, jetzt kommen diese alten Schichten hoch, weil sie endlich gehen werden wollen.
Einsamkeit – obwohl Menschen da sind. Eine existentielle Einsamkeit – keine soziale, es ist die Einsamkeit, wenn man etwas trägt, das andere nicht sehen können, selbst, wenn sie freundlich sind.. Ich kann das von niemandem erwarten, aber ich darf aufhören es selbst zu bagatellisieren.
Ich möchte benennen, spüren, zulassen, das beides wahr ist, die tiefe Dankbarkeit für diese Waldmomente und die Trauer über das, was immer wieder nicht geht. Dieser Schneemoment heute früh im Wald, das Rotkehlchen am Fenster, das sind keine Zufälle, das sind Gegenbilder, die mein Nervensystem sammelt. Sie zeigen auf, es gibt auch Weite, es gibt auch Fluss. Es gibt auch Herzfluten.
Der Träger wird wieder kommen, das weiss ich, aber vielleicht kann ich dann besser bei mir bleiben, statt mich zu verlassen?
Ich spüre fein, mein Herz ist nicht abgestumpft, es ist offen geblieben. Trotz allem. Das ist nicht nichts, das ist viel!
#makelovegreatagain




sf | January 7, 2026