Die kleine Pflaume
Setzt euch ganz gemütlich hin.
Wenn ihr mögt, schließt für einen Moment die Augen.
Spürt einmal eure Füße auf dem Boden.
Eure Hände liegen ganz ruhig auf eurem Schoß.
Und dann stellt euch vor:
Ihr seid ganz klein geworden.
So klein wie ein Samenkorn.
Ihr liegt in der dunklen, warmen Erde.
Ganz still.
Über euch ist die Erde.
Unter euch ist die Erde.
Es ist dunkel und ruhig.
Und ihr müsst noch gar nichts tun.
Ihr dürft einfach da sein.
Dann spürt ihr etwas.
Ein ganz feiner Tropfen Wasser kommt.
Plitsch.
Noch einer.
Plitsch.
Regen fällt auf die Erde.
Die Erde wird weich.
Und das kleine Samenkorn bekommt Durst.
Es trinkt.
Ganz langsam.
Und irgendwann passiert etwas:
Etwas beginnt zu wachsen.
Eine kleine Wurzel schiebt sich nach unten.
Und ein kleiner Trieb schiebt sich nach oben.
Durch die Erde.
Immer weiter.
Bis er eines Tages die Erde durchbricht.
Und da ist Licht.
Sonne.
Warm liegt sie auf dem kleinen Pflänzchen.
Das Pflänzchen wächst.
Es bekommt Blätter.
Viele Blätter.
Der Wind bewegt sie ganz sanft.
Schschsch …
Und wenn ihr ganz genau hinhört, könnt ihr vielleicht hören, wie der Baum im Wind raschelt.
Dann kommt der Frühling.
Am Baum erscheinen kleine Blüten.
Weiße Blüten.
Zarte Blüten.
Vielleicht könnt ihr sie vor eurem inneren Auge sehen.
Eine Biene kommt vorbei.
Sie summt.
Sssssss …
Sie fliegt von Blüte zu Blüte.
Und irgendwann ist aus einer Blüte eine winzige kleine Frucht geworden.
Eine kleine Pflaume.
Noch ganz grün.
Noch ganz klein.
Aber sie wächst.
Die Sonne scheint.
Der Regen kommt.
Die Wurzeln trinken Wasser aus der Erde.
Der Wind streicht durch die Blätter.
Tag für Tag.
Woche für Woche.
Die kleine Pflaume wird größer.
Und langsam verändert sie ihre Farbe.
Aus Grün wird Violett.
Sie wird weich.
Sie wird rund.
Sie wird süß.
Und eines Tages ist sie reif.
Vielleicht kommt jetzt jemand vorbei.
Eine Hand legt sich ganz vorsichtig um die Pflaume.
Und …
pflück.
Die Pflaume kommt vom Baum.
Vielleicht kannst du sie jetzt in deiner eigenen Hand spüren.
Rund.
Glatt.
Etwas kühl.
Und wenn du ganz vorsichtig an ihr riechst, kannst du vielleicht schon ihren süßen Duft wahrnehmen.
Aber die Reise der Pflaume ist noch nicht zu Ende.
Sie kommt mit vielen anderen Pflaumen zusammen.
Und heute kommen sie sogar zu uns.
Auf unseren Tisch.
In unsere Hände.
Wir werden sie anschauen.
Wir werden sie fühlen.
Wir werden sie riechen.
Wir werden sie aufschneiden.
Wir werden den Kern entdecken.
Und wir werden daraus etwas machen.
Etwas, das vorher noch nicht da war.
Vielleicht denkst du jetzt einmal darüber nach:
Wie viele Dinge mussten zusammenkommen, damit diese eine Pflaume wachsen konnte?
Erde.
Wasser.
Sonne.
Regen.
Wind.
Zeit.
Eine Blüte.
Eine Biene.
Und Menschen, die ernten.
Und heute kommen noch wir dazu.
Viele Hände.
Wir schneiden.
Wir sammeln.
Wir geben in den Topf.
Wir rühren.
Wir warten.
Und langsam entsteht etwas Neues.
Unser Pflaumenkompott.
Und wenn wir später gemeinsam davon probieren, dann können wir vielleicht daran denken:
In einem kleinen Löffel steckt ganz schön viel.
Erde.
Sonne.
Regen.
Zeit.
Viele Hände.
Und ein kleines bisschen von uns.
Jetzt atmet noch einmal tief ein.
Und aus.
Bewegt langsam eure Finger.
Bewegt eure Zehen.
Und wenn ihr soweit seid,
öffnet ganz langsam wieder eure Augen.
Und jetzt schauen wir einmal, was heute in unseren Händen liegt.
Wir nehmen die Welt wahr. Wir gestalten etwas mit unseren Händen. Wir erleben, dass unser Tun etwas bewirkt. Und wir können etwas davon mit anderen teilen.
Kartoffelstempel Pflaume (oder einfach zeichnen? Malen/ Aquarell? Stempel
Die Kinder stempeln eine Pflaume auf das Etikett.
Wer mag, darf och ein Karte dazu machen, malen, zeichnen, bestempeln
Das kleine Gläschen – es gibt drei Möglichkeiten:
Für mich: Das möchte ich mir selbst schenken.
Für einen Menschen: Das möchte ich jemandem schenken, der mir wichtig ist.
Für jemanden, dem ich Danke sagen möchte: Das möchte ich einmal aussprechen.
Ein kleiner Gruß aus unserem Erntedank-Topf.
ODER:
Schön, dass es dich gibt.
sf | October 1, 2026