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Aus Raum und Zeit

Pfalz, Tessin und Gardasee
Wir sind wieder da.


Danke.
Wir haben nicht die perfekte Reise gesucht.
Wir haben die Reise erlebt. Mit Streit, mit Hitze, mit kaltem Wasser, mit Angst, mit Gelächter.
Mit Polenta. Mit Nachtkerzenmagie. Mit Gesprächen ohne Worte auf dem Fußballplatz.
Mit Zeichnen, Bergen, Wasserfällen und Flüssen. Schwimmen. Füße hoch. Wellen. Kaltes Bier. Alpkäse. Zucchini und Kapuzinerli.
Steinhäuser. Wundervolle Höhen.

Theo springt. Lucie schwimmt im Wasserfallbecken. Tomma ist glücklich. Rivella. Ein großes Bett. Abends weht die Bergluft durchs Zimmer. Grotto. Polenta mit Alpkäse. Ein Tisch im Baumhaus. Schon wieder 38,5 Grad. Ich sehe beides. Den Schmerz und das Glück. Orte möglich zu machen, kostet Kraft. Unglaublich viel Kraft. Aber es schenkt Erinnerungen, die es sonst nicht gäbe. Gemeinsam Abtrocknen. Nicht konfliktfrei. Aber verbunden. Anstrengung und Schönheit. Das Licht zwischen den Bergen. Die Höhe. Die Wildwiesen. Das Lachen und die Liebe meiner Familie. Das Aufblühen der Nachtkerzen zu beobachten, berührt mich so sehr. Ein Zauber, der bleibt. Und tief in mir etwas berührt.

Grazie mille. Un gelato piccolo, per favore. Es geht weiter. Etwas zu schnell. Heiß. Heiß. Heiß.
Was für ein Blick. Weiße Vorhänge auf der Terrasse. Der Pool so unkompliziert und groß, dass wir es kaum fassen können.
Der Blick auf den See. Er ist immer anders. Morgens. Jeden Morgen. Mittags. Abends. Von Tag zu Tag. So wie wir selbst.

Gelato. Pasta. Pizza. Köstliches. Und noch so viel mehr. Wir suchen wieder unsere Nischen. Darin sind wir gut geworden. Vielleicht auch, weil wir es lernen mussten. Früh morgens, bevor die anderen kommen. Nachts, im kühlen Blau. Rückzug. Sonnenuntergänge an Stellen, an denen die anderen schon wieder weg sind. Das fühlt sich besser an. Teilweise ist es wie ein Viehtrieb. Menschenmassen schieben sich durch die pittoresk schönen Gassen. Raus da. Anderes suchen. Und finden.

Ein Abend in Verona. Blinkende Wünsche am Himmel. Wieder hoch auf den Berg. Zwischen den Bergen in die Wellen. Theo springt.
Lucie schwimmt. Tomma ist glücklich. Und ich versuche, alles gleichzeitig festzuhalten und einfach nur da zu sein. Immer wieder ist es anstrengend. Immer wieder prasselt es aneinander. Der eine will noch bleiben. Der andere schon gehen. Der eine braucht Rückzug. Der andere will noch etwas erleben. Und immer wieder wird es dann wieder unglaublich schön. Vielleicht ist das Familie. Nicht, dass alle dasselbe brauchen. Sondern dass wir immer wieder versuchen, nebeneinander Platz dafür zu machen. Grenzen spüren. Grenzen erlauben. Grenzen eingestehen. Nicht konfliktfrei. Aber verbunden.

In unserer kleinen Oase feiern wir das Zimmer mit Klimaanlage. Wir kochen vom Bett aus. Endlich wieder mal ein Gasherd. Ich liebe diese Zeit. Und bin wehmütig, das sie zu Ende gehen wird. Das bin ich immer. Immer bei Übergängen. Immer diese Vergänglichkeit. Traurig sein, weil es so schön ist. Focaccia. Artischockenliebe. Wundervolle Nektarinen vom Markt und unglaublicher Käse. Sternschnuppen nachts im Pool erspähen. Gespräche im Dunkeln auf der Luftmatratze. Genießen.

Gemeinsam jeder für sich und alle zusammen. Atmen. Berauscht. Überwältigt. Gestresst. Hungrig. Eiskaltes Wasser. Zum Trinken. Zum Hineingehen. Noch ein Gelato. Nein, Wir gehen heute nicht essen. Zack. Sitzen wir irgendwo. Unglaubliche Pasta.
»Ich wein gleich, so gut.« Worte von Kind 1. Der Sonnenuntergang. Die kleinen Mücken, so klein, dass man sie noch nicht mal hören kann. Essen im Ventilatorwind auf der Terrasse.

Der Espresso blubbert. Hinein ins Blau. Die Außendusche. Die alten Olivenbäume. Wie herrlich zweigrüntonig ihre Blätter sind. Dazwischen welche, die knatschgelb leuchten. Das Valpolicella-Tal. Die bunten Gleitschirme beim Starten beobachten. Hitze. Langsamer werden. Man muss früh da sein. Sonst wird es voll. Machen wir nicht mit. Ich entdecke neu, dass ich eingelegte Artischocken unglaublich liebe. Außerdem werden sie mir nicht streitig gemacht.

Es ist schon echt spät. Und immer noch echt heiß. Leuchtende Fallschirme schießen wir mit Wünschen in den Himmel. Wir freuen uns, wenn sie hochfliegen. Und noch mehr, wenn sie wieder zu uns zurückkommen. Aufwachen. Anlächeln. Glitzernder See. Kühles Nass. Orecchiette mit Cime di rapa. Sofort kommen Erinnerungen hoch. Ein Essen, das ich für meine Mama gekocht habe, als ihr schon kaum noch etwas geschmeckt hat. Alles schmeckt metallisch. Doch das hat ihr geschmeckt. Wie sich Erinnerungen verändern, wenn der Schmerz weniger wird. Wie schön, dass Essen so etwas speichern kann. Dass jemand immer noch dabei ist.

Wenn man eigentlich ganz woanders hinwill und dann irgendwo landet, wo es viel schöner ist. Und dann ist es doch zu voll. Keine Rücksicht. Kein Fragen, ob man helfen kann. Und eine halbe Stunde später bevorzugte Behandlung. Auch dabei kann man sich unwohl fühlen. Lernen wir. Perspektivwechsel. Alles mal nicht so wichtig nehmen. Es gibt so viel Größeres.

Und doch ist einem im nächsten Moment wieder zu heiß. Und auch das hat plötzlich seine Dringlichkeit. Das Leben ist eben gleichzeitig. Die großen Dinge. Und die ganz kleinen. Demut. Bedeutsamkeit. Eingeredet werden. Und trotzdem: Ich muss jetzt ins Wasser. Im Hier bleiben. Die Sorgen beiseitelegen. Sich das erlauben. Geht leider gar nicht immer. Sie ploppen dann doch wieder auf. Gleichzeitigkeit. Das zieht sich durch. Und die Liebe. Die auch.

Dankbarkeit. Gereiztheit. Angezicke. Ohren zuhalten. Grenzen. Festhalten wollen. Ins Herz einbrennen wollen. Wieder die kleinen Momente. Die zarten. Die nicht planbaren. Unfassbar gute Tortellini. Leider ist es in der Kirche auch nicht kühler. Aber der Boden ist unfassbar schön. Und die zarten, fast schon verblassten Wandmalereien.

Ich bin mit Tomma in einer Paneteria. Sie zeigt auf einen unspektakulär aussehenden Kuchen. Ich nehme ein Stück mit. Zum Glück. Denn er ist spektakulär. Auf seinem Tellerchen liegt er da. Und man kann schlicht nicht an ihm vorbeigehen, ohne davon zu naschen. Fenchel mit Orange, Rucola und Parmesan.
Molto buono.

Ein Sprung in den Sonnenuntergang. Ein Treibenlassen auf allen Ebenen. Getragen werden. Augen schließen. Gorgonzola vom Markt. Was bin ich Lisa und Michael dankbar für ihre Reisetipps. Gorgonzola-Nudeln mit Nektarine und Rucola. Der Rucola ist herrlich pfeffrig. Immer im Kühlschrank. Und dann ist da immer wieder Wasser. Der Wasserfall. Das eiskalte Bergwasser. Der Pool am frühen Morgen. Nachts, wenn alles blau und kühl wird.

Die Wellen. Der See. Die Außendusche. Das Wasser, das trägt. Vielleicht haben wir deshalb so oft gesagt: Add water. Wenn es zu heiß wird. Zu viel. Zu laut. Zu eng. Add water.

Ich habe mitgebracht:
Polenta mit Käse.»
Carciofi trifolati.»
Torta di mele al miele.»

Und vielleicht noch etwas anderes.
Kommt bald!

Wasser. Liebe. Nähe. Freiheit. Und immer wieder: einander.

Wir sind wieder da.
Und doch noch ein kleines bisschen dort.

Und dann Pat. Als wir auf der Rückreise wieder bei meinem Papa zwischenübermachten, ist Pat gestorben. Pat, meine Schildkröte. Als ich etwa zwei oder drei war, hat mein Großvater sie gefunden. Im Wingertsberg. Wir haben herumgefragt. Im Dorf. Keinem gehörte sie. Also blieb sie. Pat war immer da. Selbstverständlich. Ich erinnere mich, wie wir einmal einen kleinen Igel aufgepäppelt haben. Sobald es ihm besser ging, hat er Pat in den Hals gebissen.

Er blieb, als ich fortging. Er war da, als meine Mama gestorben ist. Mein Papa erzählt, dass Pat, sobald er vom Einkaufen kommt, am Zaun steht und ihn begrüßt. Die beiden hatten ein besonderes Verhältnis. Ich erinnere mich an Theo, etwa zwei Jahre alt, im hellblauen Pullunder, auf Ostereiersuche. Im Hintergrund der Fotos: Pat. Meine jüngste Tochter liebt Schildkröten. Das tut sie schon immer. Auf unserem Stopp bei der Hinfahrt streichelt und betüddelt sie Pat. Bei der Rückfahrt ist Pat nicht mehr da. Wir sind traurig. Tränen fließen. Pat. Sie war ein Stück meiner Kindheit. Ein Stück meines Opas. Ein Stück meines Papas. Ein Stück immer. Aber nichts ist immer da. Pat ist nicht mehr da. Aber die kleine Steffi, die sie als Zweijährige erlebt hat, ist noch da. Und mein Opa, der sie gefunden hat, ist auch noch da. In der Geschichte. Jetzt malen meine beiden Mädchen Gedenktafeln. Das Leben geht nicht einfach weiter. Es nimmt Dinge mit. Und ich kann etwas verlieren und es trotzdem in mir behalten. In diesem Sinne. Auf Pat. Auf diese wundervolle Reise. Auf die Liebe. Und auf die Vergänglichkeit.

Avatar sf | August 24, 2026

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