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Sauna, Wechselduschen und über das Ausatmen beim Schwimmen

Seit einiger Zeit erlaube ich mir regelmäßig Sauna, weil ich spüren kann, wie gut es mir tut, weil ich meinen Körper spüre, weil ich stabiler werde dadurch, weil es mich reinigt und ich danach einfach entspannter bin, mehr ab kann, mehr trage, netter bin zu meiner Familie und Mitmenschen, das hat Priorität bekommen in meinem Leben, das ist keine Frage mehr des kann, das ist – nahezu ein Muss. Ich habe Sauna schon immer gerne gemocht, doch jetzt hat es ein anderes Niveau erreicht. Außerdem mag ich – und das ist neu – Wechselduschen, Duschen schon immer und ich schwimme gern an frischer Luft, dabei ist das Ausatmen und das Glitzerwasser wohl das Wichtigste. Ich denke jeder Mensch hat solche Tools, dabei sind sie so individuell wie der Mensch selber. Ausprobieren, aber vor allem auch auf sich selber hören und Vertrauen haben sind so wichtig. Und weil ich ja das Nähren zu meinem Thema gemacht habe, habe ich das alles auch untersuchen, durchsingen und verstehen wollen. Daher, jetzt wird’s nass und heiß und kalt.

Sauna ist keine Erfindung der modernen Wellnesswelt, sondern ein uraltes Ritual, das in vielen Kulturen unabhängig voneinander entstanden ist. Besonders stark verwurzelt ist es in den nordischen Ländern – vor allem in Finnland, wo die Sauna seit Jahrhunderten ein fester Teil des Alltags ist und als Ort der Reinigung, Heilung und inneren Einkehr gilt. Auch in Russland (Banja), im Orient (Hamam), in der Antike (römische Thermen) und in indigenen Traditionen (Sweat Lodges) finden sich ähnliche Praktiken: Wärme, Schwitzen, Abkühlen und das bewusste Loslassen werden nicht nur als körperliche Reinigung verstanden, sondern als Übergang in einen anderen Zustand. In all diesen Kulturen ist die Sauna mehr als ein Bad – sie ist ein heiliger Raum, in dem man die Rollen ablegt, in den Körper zurückkehrt und sich selbst neu findet. Und genau das ist es, was sie für mich heute so kraftvoll macht: Sie ist ein Ritual der Rückkehr, ein Moment, in dem Körper, Geist und Seele wieder zueinanderfinden.

Sauna: Wissenschaftlich betrachtet – ein Stress- und Nervensystem-Reset
Sauna ist eine kontrollierte Stressform – eine physiologische Herausforderung, die dein Körper bewusst übersteht.
Und genau darin liegt die Wirkung.
Thermischer Stress als Training für dein Nervensystem
Wenn du in die Sauna gehst, steigt deine Körpertemperatur.
Dein Herz schlägt schneller, deine Gefäße erweitern sich, der Blutfluss steigt.
Das ist ein akuter Stressreiz, der jedoch kontrolliert ist.
Der Körper reagiert mit:
Erhöhung der Herzfrequenz (ähnlich wie bei leichter körperlicher Aktivität)
Freisetzung von Endorphinen (natürliche „Wohlfühl“-Hormone)
Erhöhung der Durchblutung, besonders in der Haut und den Muskeln
Aktivierung des parasympathischen Nervensystems nach dem Abkühlen
Diese Reaktion ist wie ein Training für deine Stressreaktion.
Du übst dich darin, in einem intensiven Zustand wieder zurück in Ruhe zu finden.
Und das ist genau der Kern:
Du lernst, dass Stress nicht automatisch in Angst mündet.
Du lernst, dass du aus dem Stress herauskommen kannst.
Sauna und mentale Gesundheit: der Mechanismus hinter dem „Ich kann mehr ab“
Es gibt starke Hinweise darauf, dass regelmäßige Saunagänge:
das Stresshormon Cortisol senken
die Stimmung stabilisieren
Angst reduzieren
Depressionssymptome lindern
Das passiert, weil Sauna das Nervensystem neu kalibriert.
Dein Körper lernt: Ich kann Stress aushalten – und ich kann danach wieder in Ruhe.
Und das ist nicht nur „gefühlte“ Ruhe.
Es ist ein biologischer Effekt.
Wenn dein Körper merkt, dass er nach Stress wieder in Ruhe zurückfindet, wird das Nervensystem robuster.
Und ein robustes Nervensystem ist ein ruhiges, stabiles, tragfähiges Nervensystem.
Sauna als „Reinigung“: nicht nur metaphorisch
Ja, es ist auch eine Reinigung – nicht nur symbolisch, sondern körperlich.
Schweiß ist ein Ausscheidungsweg. Und während du schwitzt:
werden Stoffwechselprodukte aus dem Körper entfernt
wird die Haut durchblutet
werden Immunsystem und Entzündungsprozesse beeinflusst
Außerdem:
Hitze erhöht die Produktion von Heat-Shock-Proteinen
Diese Proteine helfen dem Körper, sich zu reparieren und Zellen zu schützen.
Das ist, als würdest du deinem Körper sagen:
Ich sorge für dich. Ich gebe dir die Chance, dich zu erneuern.

Ich war nie Fan vom Eiswasser nach der Sauna, doch vor wenigen Wochen hat mich eine Freundin einfach mitgenommen. Bisher war für mich einfaches Gehen an der frischen Luft das Beste. Aber dieses Mal war es etwas völlig Neues – überwältigend, kurz vom „oh je, das ist jetzt echt hart“, „was, wenn ich einen Herzinfarkt bekomme?“, und dann diese tiefe Befriedigung, dieses Wohlgefühl. Es war, als würde der Körper mich in meine Grenzen stoßen – und gleichzeitig zeigen, wie weit sie wirklich sind. Als hätte ich mir selbst eine kleine, aber sehr klare Antwort gegeben: Ich kann mehr aushalten, als ich dachte.
Warum wirkt das so?
Weil der Kälteschock nach der Hitze ein sehr deutliches Signal an den Körper ist: Du bist in einem Zustand, der extreme Anpassung verlangt. Der Körper reagiert sofort mit einem intensiven, kontrollierten Alarm – Herzschlag, Atmung, Adrenalin, Wachheit. Und genau das ist der Punkt: Sobald der Schock vorbei ist und du wieder warm wirst, schaltet der Körper in Ruhe zurück. Dieses Hin und Her ist wie ein Training für die innere Stabilität. Du erlebst, dass Stress nicht automatisch Angst bedeutet, sondern ein Zustand ist, den du bewusst durchlaufen und wieder verlassen kannst. Und das hinterlässt ein Gefühl von Klarheit, Mut und – ja – tiefer Zufriedenheit.

Und wenn es mal nicht die Sauna ist – oder nicht so oft –, dann ist es eben die Dusche. Manchmal auch als Wechseldusche, weil auch das seinen eigenen Rhythmus hat.

Wechseldusche & Abduschen: Ein kleines, aber mächtiges Nervensystem-Training
Wechselduschen sind ein kleiner, bewusster Stressreiz.
Aber anders als in der Sauna: Hier ist es der Kältereiz, der dich trifft.
Warum Kälte so stark wirkt
Kälte aktiviert das sympathische Nervensystem (das „Alarm“-System), aber auf eine kontrollierte Weise.
Dein Körper reagiert mit:
Erhöhung der Wachsamkeit
Erhöhung der Atemfrequenz
Aktivierung von Noradrenalin (ein Hormon, das wach macht und die Stimmung stabilisieren kann)
Und dann passiert etwas sehr Wichtiges:
Wenn du nach dem Kältereiz wieder in Wärme kommst, schaltet dein Körper zurück in Ruhe.
Du lernst: Ich kann Stress erleben – und ich kann danach wieder in Ruhe kommen.
Das ist ein Training für deine mentale Widerstandskraft.

Abduschen
Auch eine einfache Dusche kann ein Ritual sein, weil sie:
den Körper bewusst „abschaltet“ vom Tag
das Nervensystem beruhigt
das Gefühl von „rein sein“ vermittelt
Manchmal ist das einfache Ritual das kraftvollste, weil es konsequent ist.

Außerdem liebe ich es, unter freiem Himmel zu schwimmen – am Meer, aber auch im Sommer ganz schön im Freibad.
Schwimmen: Atmen, Ausatmen, Loslassen
Schwimmen ist ein Atemritual.
Du atmest ein, du tauchst, du atmest aus – und wieder.
Das Wasser zwingt dich in einen Rhythmus, der:
den Parasympathikus aktiviert (Ruhe und Erholung)
die Atmung vertieft
den Geist beruhigt
Warum Ausatmen so wichtig ist
Ausatmen ist der Moment des Loslassens.
Und im Wasser ist das besonders deutlich, weil:
dein Körper im Wasser weniger „künstlich“ arbeiten muss
du das Gefühl hast, getragen zu werden
du weniger „tun“ musst und mehr „sein“ darfst
Wenn du ausatmest, signalisiert dein Körper:
Ich kann loslassen. Ich muss nicht alles halten.
Das ist ein tiefes Gefühl von Sicherheit und Vertrauen.

Das Glitzern auf dem Wasser: Ein stiller Effekt
Wenn Licht auf Wasser fällt und glitzert, passiert etwas sehr Ursprüngliches in uns:
Unser Gehirn reagiert auf Bewegung und Licht
Es wird ein Ruhemodus ausgelöst, weil das Glitzern eine Form von „natürlicher Ordnung“ ist
Es wirkt wie ein kleiner, sanfter Stresslöser
Das Glitzern ist wie ein sanftes Signal der Natur:
Alles ist in Bewegung.
Alles ist lebendig.
Und gleichzeitig: Alles ist gut.

Sauna ist für mich nicht nur Wärme.
Sie ist ein Raum, in dem ich meine Rollen ablegen kann – die Mutter, die Frau, die Alltagsfrau, die Verantwortliche.
In der Hitze bin ich einfach nur ich.
Ich bin nackt, nicht nur körperlich, sondern auch innerlich.
Und genau das fühlt sich heilig an.
Es ist ein Ritual, das mich zurückholt – zu meinem Körper, zu meinem Atem, zu meinem Leben.
Und wenn ich aus der Sauna herauskomme, fühle ich mich wie neu geboren:
klarer, leichter, mehr bei mir.

Nähr-Tools sind individuell – und jeder darf sie finden
Ich glaube, jeder Mensch kann sich solche Tools zu eigen machen – und sollte es auch. Denn was wir in der Sauna erleben, ist kein exklusives Geheimnis, sondern ein Prinzip: Wir brauchen Räume, in denen wir unseren Körper spüren, unseren Geist beruhigen und unsere Seele nähren können. Für den einen ist das die Hitze der Sauna, für den anderen ist es das Graben im Garten, das langsame Schneiden von Kräutern, ein Spaziergang im Wald oder das achtsame Atmen im Bett am Morgen. Was für den einen „nährend“ ist, ist für den anderen vielleicht „anstrengend“ oder „leer“. Und genau das ist das Schöne daran: Es gibt keine universelle Methode, nur individuelle Wege. Wärme, Kälte, Bewegung, Stille, Natur, Rhythmus – all das kann uns helfen, wieder zu uns zurückzufinden, Stress zu lösen und Klarheit zu gewinnen. Und doch ist es nicht nur Biologie: Es ist auch ein Ritual, ein Moment der Liebe zu sich selbst, ein einfacher Akt der Rückkehr. Wir dürfen ausprobieren, wir dürfen spüren, wir dürfen uns selbst vertrauen. Und wir dürfen dabei erkennen: Nahrung ist nicht nur das, was wir essen. Nahrung ist auch das, was uns wieder bei uns ankommen lässt.

Und weil es hier so viel um Wasser geht, gehört auch das Meer dazu. Meine Schwester sagte mal beim Schwimmen im Meer in der Normandie: „Einmal zumindest rein – ist immer gut. Man kann so viel drin lassen.“ Seitdem hatten wir den unausgesprochenen Deal – egal wie kalt, egal wie sehr es sich anfühlt, als würde man gleich aufhören zu atmen: kurz rein. Das ist es im Sommer in der Normandie manchmal – kurz rein, kurz raus, und danach ist alles anders. Als hätte das Wasser nicht nur den Körper, sondern auch den Kopf ein bisschen durchgespült.

Wasser ist ein Element, das uns auf eine ganz eigene Weise nähren kann – weil es nicht nur den Körper berührt, sondern auch den Rhythmus in uns. Wasser ist Quelle, Bewegung, und Erinnerung zugleich. Es trägt uns, es kühlt uns, es reinigt uns, und es lässt uns loslassen, weil es selbst nie festhält. Im Wasser darf alles fließen: Gedanken, Gefühle, Anspannung, alles, was sich im Alltag so staut. Es ist ein Ritual, das so einfach ist, dass wir es oft übersehen – und genau deshalb so kraftvoll. Ein Tropfen, ein Atemzug, ein Eintauchen, ein Ausatmen: Wasser ist wie ein leiser Lehrer, der uns zeigt, dass Leben immer im Fluss ist. Und manchmal reicht schon das Glitzern auf der Oberfläche, um uns daran zu erinnern, dass wir Teil von etwas Größerem sind.

Wir bestehen so sehr aus Wasser, dass es fast logisch ist, dass es uns wieder „zusammenbringt“, wenn etwas aus dem Gleichgewicht gerät. Ein Glas kaltes Wasser wirkt oft wie ein kleiner Reset – besonders bei Kindern, wenn sie sich gestoßen haben oder hingefallen sind. Erst ist da dieser Schreck, der Schmerz, das große Drama, und dann kommt das Wasser. Trinken, ein Schluck, ein Atemzug, und plötzlich ist die Welt wieder da. Es ist, als würde das Wasser den Körper erinnern: Du bist nicht nur Schmerz, du bist auch fließend, du bist auch Ruhe, du bist auch etwas, das sich wieder fängt. Und genau das ist das Wunder: Man muss nichts Großes tun, man muss nur trinken – und schon ist vieles anders.

Avatar sf | January 22, 2026

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