
Ich bin müde.
Müde davon, immer wieder allein mit Dingen zu kämpfen, die für andere selbstverständlich sind.
Müde davon, dass so vieles kompliziert wird, obwohl es das nicht sein müsste.
Was ich mir wünsche, ist kein Sonderstatus, keine Extrawurst, kein großes Konzept.
Ich wünsche mir manchmal einfach ein klares, schlichtes Ja.
Ein Ja, auch wenn es Überlegungen braucht.
Ein Ja, auch wenn es unbequem ist.
Ein Ja, das sagt: Wir sehen euch. Wir vertrauen euch. Wir gehen diesen Weg mit.
Es geht um meine Tochter.
Sie ist im Rollstuhl unterwegs,
Was für viele schwer vorstellbar ist, sind nicht in erster Linie ihre körperlichen Einschränkungen.
Es sind die strukturellen Umstände.
Die vielen kleinen Stellen im Alltag, an denen Wege geebnet werden müssten – und stattdessen blockiert werden.
Nicht aus Absicht, nicht aus Bosheit.
Sondern aus fehlendem Mitdenken, aus Vorsicht, aus gut gemeinten, aber nicht zu Ende gedachten Entscheidungen.
Inklusion scheitert selten an großen Worten.
Sie scheitert an kleinen Haltungen.
Manchmal haben wir einen ganz einfachen Wunsch.
Kein großes Projekt, keine Sonderlösung.
Doch die Antwort darauf ist hinterfragend, sie impliziert einen weiteren Auftrag,
als ob jede Bitte erst geprüft, bewertet, neu eingeordnet werden müsste.
Manchmal wünschen wir uns schlicht die Fortsetzung von Freude, Leichtigkeit und Begeisterung –
einen Weg, der bereits geebnet wurde, weitergehen zu dürfen.
Doch statt eines klaren Ja wird er hinterfragt, optimiert, neu gedacht –
nicht aus böser Absicht, aber aus einer Perspektive, die nicht spürt, was es für uns schon bedeutet hat, dass es überhaupt möglich wurde.
Ein einfacher Wunsch: die Fortsetzung dessen, was ihr gut tut.
Wir organisieren so viel. Jeden Tag.
In unserem kleinen Alltag.
Es sind die Dinge, die für andere selbstverständlich sind, die für uns eine Herausforderung sind:
Zugänglichkeit, Selbstständigkeit, Zugang zu Räumen, zu Dingen, zu Abläufen.
Wir sind abhängig von Menschen, von Strukturen, von Entscheidungen, die unser Leben erleichtern oder erschweren können.
Viele ahnen nicht, wie sich diese Abhängigkeit anfühlt.
Wie müde sie macht.
Wie viel Kraft sie kostet.
Und immer wieder stoßen wir auf Situationen, in denen nicht mitgedacht wurde.
Auf Regeln, die erschweren statt ermöglichen.
Nicht aus Bosheit – oft aus guter Absicht.
Doch auch gute Absichten können erschöpfend sein, wenn sie an der Realität vorbeigehen.
Ich bin müde vom Erklären.
Vom Bitten.
Vom Aufklären.
Vom ständigen Übersetzen unserer Bedürfnisse in eine Sprache, die gehört wird.
Alle sagen: Inklusion – ja, klar, wollen wir.
Doch wer ist bereit, die eigene Komfortzone zu verlassen?
Wer ist bereit, Dinge wirklich zu verändern – nicht nur, solange es einen selbst nicht betrifft?
Das mag hart klingen.
Und doch ist es eine Erfahrung, die viele Familien machen.
Ich habe lange geglaubt, das sei mein Auftrag.
Und ja – das ist er auch.
Denn das, was wir tun, ist sinnvoll.
Nicht nur für uns.
Sondern für viele.
Trotzdem bin ich erschöpft.
Ich bin müde.
Ich bin sehr, sehr müde.
Ich werde mich sammeln.
Und ich werde weitergehen.
Weil es wichtig ist, sichtbar zu machen, wie viel die kleinen Dinge bedeuten.
Weil ein einfaches Ja manchmal mehr verändert als jedes ausgeklügelte Konzept.
Und weil Inklusion dort beginnt, wo Menschen bereit sind, wirklich mitzudenken.
make love great again …
sf | January 21, 2026