
Ein Tisch. Ein Topf. Viele Hände.
Erntedank mit allen Sinnen
Was braucht es, damit aus einer kleinen Blüte irgendwann eine reife Pflaume wird?
Erde. Wasser. Regen. Sonne. Zeit. Bienen. Luft. Wärme. Und viele kleine unsichtbare Dinge, die zusammenspielen, lange bevor wir die Frucht in unseren Händen halten.
Am Erntedanktag haben wir uns gemeinsam mit den Kindern auf den Weg gemacht, genau das wahrzunehmen.
Nicht nur mit dem Kopf – sondern mit allen Sinnen.
Wir haben Zwetschgen und Pflaumen angeschaut, ihre Farben entdeckt, sie in den Händen gewogen, gefühlt und gerochen. Wir haben sie aufgeschnitten und gestaunt, wie unterschiedlich sie innen aussehen. Wir haben den Saft an den Fingern gespürt, das leise Geräusch beim Schneiden gehört und natürlich probiert.
Und dann wurde aus vielen einzelnen Früchten etwas Neues.
Die Kinder durften selbst tätig werden, mit kleinen Messern schneiden, Kerne sammeln, Früchte in den großen Topf geben und erleben: Mein Tun macht einen Unterschied. Mein Beitrag gehört dazu.
Ein Tisch.
Ein Topf.
Viele Hände.
Während unser Kompott langsam warm wurde und sich der Duft im Raum ausbreitete, wurde spürbar, dass Kochen weit mehr ist als ein Rezept. Es ist Wahrnehmung. Begegnung. Aufmerksamkeit. Und vielleicht ist Liebe eine der wichtigsten Zutaten überhaupt.
Denn ein Essen entsteht nicht nur aus dem, was wir hineinlegen. Es entsteht auch aus der Art, wie wir miteinander umgehen, wie wir einander helfen, warten, teilen, probieren und uns freuen.
Am Ende saßen wir zusammen und probierten unser selbstgemachtes Kompott mit Milchreis. Aus den Früchten, die vorher noch einzeln auf den Tischen lagen, war etwas Gemeinsames geworden – warm, duftend, fruchtig und ein kleines bisschen auch unseres.
Jedes Kind durfte ein eigenes Gläschen mit nach Hause nehmen.
Und dieses Gläschen ist nicht nur ein Glas Kompott.
Es kann ein Geschenk sein für jemanden, den man liebhat.
Für jemanden, dem man schon lange einmal Danke sagen wollte.
Für einen Menschen, der einem wichtig ist.
Oder für sich selbst.
Denn auch sich selbst darf man manchmal etwas schenken und sagen:
Schön, dass es dich gibt.
Vielleicht ist das Erntedank:
zu spüren, wie viel in einer kleinen Frucht steckt.
Zu sehen, dass nichts allein entsteht.
Zu erfahren, dass unsere Hände etwas bewirken können.
Und sich daran zu erinnern, dass aus vielen kleinen Beiträgen etwas Gemeinsames, Wärmendes und Schönes wachsen kann.
Ein Tisch. Ein Topf. Viele Hände.
Und ganz viel Liebe.





Für 4 Portionen: 1 kg Pflaumen und/oder Zwetschgen | 1 Vanilleschote | Saft von ½ Zitrone | nach Bedarf 1–2 EL Honig | 1 Prise Salz | eventuell etwas Wasser
Obst waschen, halbieren, entsteinen und in Stücke schneiden. Obst mit Vanille, Zitronensaft und Salz in einen Topf geben. Langsam aufkochen und bei kleiner Hitze ca. 15–20 Minuten köcheln lassen. Wenn es zu trocken ist, etwas Wasser dazugeben.
Vanilleschote herausnehmen. Probieren und nach Geschmack Honig dazugeben.Warm oder kalt essen – zum Beispiel mit Milchreis, Joghurt oder einfach pur.












Wir haben nach dem Morgenkreis mit einer kleinen Fantasiereise begonnen,
um uns einzustimmen:
Die kleine Pflaume
Setzt euch ganz gemütlich hin.
Wenn ihr mögt, schließt für einen Moment die Augen.
Spürt einmal eure Füße auf dem Boden.
Eure Hände liegen ganz ruhig auf eurem Schoß.
Und dann stellt euch vor:
Ihr seid ganz klein geworden.
So klein wie ein Samenkorn.
Ihr liegt in der dunklen, warmen Erde.
Ganz still.
Über euch ist die Erde.
Unter euch ist die Erde.
Es ist dunkel und ruhig.
Und ihr müsst noch gar nichts tun.
Ihr dürft einfach da sein.
Dann spürt ihr etwas.
Ein ganz feiner Tropfen Wasser kommt.
Plitsch.
Noch einer.
Plitsch.
Regen fällt auf die Erde.
Die Erde wird weich.
Und das kleine Samenkorn bekommt Durst.
Es trinkt.
Ganz langsam.
Und irgendwann passiert etwas:
Etwas beginnt zu wachsen.
Eine kleine Wurzel schiebt sich nach unten.
Und ein kleiner Trieb schiebt sich nach oben.
Durch die Erde.
Immer weiter.
Bis er eines Tages die Erde durchbricht.
Und da ist Licht.
Sonne.
Warm liegt sie auf dem kleinen Pflänzchen.
Das Pflänzchen wächst.
Es bekommt Blätter.
Viele Blätter.
Der Wind bewegt sie ganz sanft.
Schschsch …
Und wenn ihr ganz genau hinhört, könnt ihr vielleicht hören, wie der Baum im Wind raschelt.
Dann kommt der Frühling.
Am Baum erscheinen kleine Blüten.
Weiße Blüten.
Zarte Blüten.
Vielleicht könnt ihr sie vor eurem inneren Auge sehen.
Eine Biene kommt vorbei.
Sie summt.
Sssssss …
Sie fliegt von Blüte zu Blüte.
Und irgendwann ist aus einer Blüte eine winzige kleine Frucht geworden.
Eine kleine Pflaume.
Noch ganz grün.
Noch ganz klein.
Aber sie wächst.
Die Sonne scheint.
Der Regen kommt.
Die Wurzeln trinken Wasser aus der Erde.
Der Wind streicht durch die Blätter.
Tag für Tag.
Woche für Woche.
Die kleine Pflaume wird größer.
Und langsam verändert sie ihre Farbe.
Aus Grün wird Violett.
Sie wird weich.
Sie wird rund.
Sie wird süß.
Und eines Tages ist sie reif.
Vielleicht kommt jetzt jemand vorbei.
Eine Hand legt sich ganz vorsichtig um die Pflaume.
Und …
pflück.
Die Pflaume kommt vom Baum.
Vielleicht kannst du sie jetzt in deiner eigenen Hand spüren.
Rund.
Glatt.
Etwas kühl.
Und wenn du ganz vorsichtig an ihr riechst, kannst du vielleicht schon ihren süßen Duft wahrnehmen.
Aber die Reise der Pflaume ist noch nicht zu Ende.
Sie kommt mit vielen anderen Pflaumen zusammen.
Und heute kommen sie sogar zu uns.
Auf unseren Tisch.
In unsere Hände.
Wir werden sie anschauen.
Wir werden sie fühlen.
Wir werden sie riechen.
Wir werden sie aufschneiden.
Wir werden den Kern entdecken.
Und wir werden daraus etwas machen.
Etwas, das vorher noch nicht da war.
Vielleicht denkst du jetzt einmal darüber nach:
Wie viele Dinge mussten zusammenkommen, damit diese eine Pflaume wachsen konnte?
Erde.
Wasser.
Sonne.
Regen.
Wind.
Zeit.
Eine Blüte.
Eine Biene.
Und Menschen, die ernten.
Und heute kommen noch wir dazu.
Viele Hände.
Wir schneiden.
Wir sammeln.
Wir geben in den Topf.
Wir rühren.
Wir warten.
Und langsam entsteht etwas Neues.
Unser Pflaumenkompott.
Und wenn wir später gemeinsam davon probieren, dann können wir vielleicht daran denken:
In einem kleinen Löffel steckt ganz schön viel.
Erde.
Sonne.
Regen.
Zeit.
Viele Hände.
Und ein kleines bisschen von uns.
Jetzt atmet noch einmal tief ein.
Und aus.
Bewegt langsam eure Finger.
Bewegt eure Zehen.
Und wenn ihr soweit seid,
öffnet ganz langsam wieder eure Augen.
Und jetzt schauen wir einmal, was heute in unseren Händen liegt.
Wir nehmen die Welt wahr. Wir gestalten etwas mit unseren Händen. Wir erleben, dass unser Tun etwas bewirkt. Und wir können etwas davon mit anderen teilen.
Kartoffelstempel Pflaume (oder einfach zeichnen? Malen/ Aquarell? Stempel
Die Kinder stempeln eine Pflaume auf das Etikett.
Wer mag, darf och ein Karte dazu machen, malen, zeichnen, bestempeln
Das kleine Gläschen – es gibt drei Möglichkeiten:
Für mich: Das möchte ich mir selbst schenken.
Für einen Menschen: Das möchte ich jemandem schenken, der mir wichtig ist.
Für jemanden, dem ich Danke sagen möchte.
sf | October 1, 2026